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Als musikalischer Ottonormalverbraucher wird man bei Haydns Klaviertrios kaum einzigartige Manifestationen erwarten, sondern sich nette, standardisierte Werkchen vorstellen, die man als Hintergrundgeplätscher fürs Kochen oder Essen in den CD-Spieler legt. Wer solches auch mit den fünf Exemplaren der ersten Aufnahme des Trio Vivente vorhat, der sei gewarnt: das Kochergebnis wird ein Fiasko, denn das Hören lässt einen den Herd vergessen.
Zwar können
(und wollen) die drei Damen den Divertimento-Charakter
vor allem der Schlusssätze nicht leugnen; was sie gleichwohl
in manchem Eröffnungsabschnitt und erst recht in den langsamen
Mittelsätzen
an harmonischem Reichtum und gehaltlicher Ernsthaftigkeit
zu Tage fördern, das weist weit über jede unverbindliche
Unterhaltung hinaus - nicht selten bis in Schubertsche
Tiefenschichten...
Auch wenn dem Klavierpart mehr Gewicht als den beiden
Streichern zukommt, so ziehen Anne Katharina Schreiber (Violine) und
Kristin von der Goltz (Cello) daraus nicht den falschen Schluss der
gestalterischen Zurückhaltung, im Gegenteil: ihr Spiel strotzt,
wie das Schlussallegro der Nummer 18 beispielhaft zeigt, vor virtuosem
Spielwitz und Detailgenauigkeit; und wie nahezu perfekt ihre ausgeklügelte
Phrasierung mit derjenigen von Jutta Ernst am Klavier korrespondiert,
das zeigt, dass auch ein noch junges Trio schon reifste Ensemblequalitäten
vorzeigen kann...
...Ach ja, der seltsame englische Titel der Platte: Haydn
stellt ihn dem recht konventionellen Kehraus seines 31. Trios voran.
Soviel sei verraten: er zeugt vom boshaften Witz seines Schöpfers.
Dass diese Frauen-Platte auch sonst viel mit Humor
und Esprit zu tun hat, zeigt nicht zuletzt das Cover. Ob sich der
alte Haydn, der alle
Trios klavierspielenden Damen widmete, wirklich von
einer derselben auf der Nase hat herumtanzen lassen, muss allerdings
offen bleiben.
Christop Braun, RONDO-Magazin, 12.09.2002

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