|
...Das „Trio Vivente" kennt auch vor moderner
Musik keine Zurückhaltung, spielt frisch und munter schwierigste
Passagen in schönem Zusammenklang, kraftvoll und unkonventionell,
so dass mancher um die Stabilität der Saiten fürchten
könnte. Flageoletttöne, kaum hörbar in exzentrischer
Höhe, wie Rihm und Schostakowitsch sie fordern, kommen rein
und ohne Oszillation. Manchmal das Cello ganz hoch
und die Geige ganz tief, die Welt auf dem Kopf.
Aber erst einmal zu Beginn die Reverenz an Wolfgang
Amadeus Mozart (1756-1791), schließlich spielten die Musikerinnen
im Auftrag der Mozartgesellschaft: Divertimento B-Dur, Köchelverzeichnis
254 aus dem Jahre 1776. Das plätschert unkompliziert dahin.
Mozart von seiner undramatischen, heilen Seite, Meister der leichten
ernsten Muse. Dann zehn Minuten Wolfgang Rihm. „Fremde Szene
III" von 1983 / 84. Wenig Melodie, jede Menge Dissonanzen,
lange Nachhallpausen, Zerrissenheit und wieder sich finden. „Ich
will bewegen und bewegt sein", hat Rihm gesagt. Und beides
ist hier glänzend effektvoll gelungen. Aus leisesten Anfängen
entsteht ein tosendes Crescendo, sinkt zurück, flammt wieder
auf und verklingt wie ein Hauch.
Zum Abschluss des Konzertes dann Schostakowitsch
mit seinem 2. Klaviertrio op. 67 aus dem Jahre 1944,
unter dem Eindruck des Krieges geschrieben. Tragik
und Schmerz pur, in dissonanter
und harmonischer Vielfalt. Rein musikalisch ein sehr
schweres Stück,
das das Trio bravourös meistert. Niemand kann sich dem Ernst
entziehen. Rihm und Schostakowitsch klingen noch
lange nach...
Pfälzischer Merkur, 9./10.03.2002
|
|