Wenigstens zwei Arten der Klaviertrio-Interpretationen sind allgemein bekannt. Zum einen - und sie beherrschen meist die Musikszene - sind es drei Solisten oder sogar Stars, die sich dann und wann zusammenfinden und mit einigen wenigen, dafür aber genialen Proben ein Programm einstudieren, um anschließend, die Konzertsäle füllend und miteinander wettstreitend, (italienisch: concertare), also konzertierend ihr Publikum zu betören....
Im anderen Typus des Klaviertrios treffen drei solistisch begabte Kammermusiker zusammen, - so beispielsweise im deutschen Trio Fontenay - die, ohne ihre Individualität aufzugeben, in einem längeren Prozess sich aufeinander einstimmen, zugunsten einer übergeordneten Homogenität; die aber dabei sich selbst so zurücknehmen können, dass die Arbeit am Werk im Vordergrund steht.
Wenn es denn je ein Ideal kammermusikalischer Arbeit geben könnte: Die drei Musikerinnen des Trio Vivente, die in der Reihe Waldenbucher Konzerte in St. Veit spielten, sind auf diesem Weg schon so weit fortgeschritten, dass sie die Musikliebhaber- und Musik-Kennergemeinde aus Waldenbuch und Umgebung mit ihrem musikalischen und perfekten Spiel fesselten und begeisterten.
In Haydns g-Moll Trio zwangen sie uns mit ihrer ausbalancierten Klangkultur vom ersten Takt an zum intensiven Hinhören auf delikate Nuancen vom Allerfeinsten. In Schnittkes Trio 1985 / 92 ließen sie mit magischem Klangzauber, zwischen nostalgischen Zitaten („Happy Birthday" ) und modernem Clusterschrecken hin- und herpendelnd, vergessen, daß wir vor zwei Jahren das gleiche Werk...schon gehört hatten. Ihr lauteres, unprätentiöses Musizieren erfüllte schließlich in Dvoraks f-moll Trio, op.65 mit der Plastik ihrer Artikulationsweise und mit romantischem Klangempfinden viele unserer musikalischen Erwartungen...

Waldenbuch den 16. Januar 2003, Prof. Hermann Voss

 

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