Mit Sonata Jacob's Dream hatte Haydn zunächst sein Klaviertrio Hoboken XV:31 betitelt und später versucht, die Schrift zu tilgen. Jakobs Traum? Was hat die altestamentarische Figur mit Haydn zu tun? Philologen haben es herausgefunden. Nichts Biblisch-Hehres hatte der Komponist dabei im Sinn gehabt, eher kam hier sein viel berüchtigter Schalk heraus. Einem Londoner Amateurgeiger, der "die üble Gewohnheit hatte, sich immer in den höchsten Tönen zu versteigen", wollte er ein wenig zusetzen. Und so versetzte er die Violinstimme des eher schlichten Sätzchens (allegro) mit Schwindel erregenden Verzierungen und horrend schwierigen technischen Mätzchen, so dass der eitle Geiger unweigerlich scheitern musste.
In die Gefahr geraten die drei jungen Musikerinnen des Klaviertrios Vivente auf ihrer ersten CD nicht; Selbstverliebtheit ist nicht ihre Sache. Ganz im Gegenteil: So frisch und unbefangen, wie sie auf dem Foto des Booklets den Betrachter anblicken, so musizieren sie auch. Elan und Esprit verbinden sich hier mit bravouröser Technik und feuriger Virtuosität, vor allem seitens der Cellistin Kristin von der Goltz, einer sehr gefragten Interpretin der alten Musik wie auch Anne Katherina Schreiber, beide im Übrigen Mitglieder des viel gerühmten Freiburger Barockorchesters. Man kann regelrecht hören, wie viel Spaß es beiden bereitet zu musizieren. An "Papa Haydn", wie man ihn im 19. Jahrhundert abschätzig nannte, denkt hier niemand mehr. Idealer Gegenpart zu diesen beiden extravertierten Musikerpersönlichkeiten ist die Pianistin Jutta Ernst mit ihrem empfindsamen und feinfühlig abschattierten Spiel. Das kommt besonders Haydns Klavier-Trio Hob XV:26 (1794) zugute, einem innigen und tiefgründigem Werk, dessen entlegene und schwierige Tonart fis-Moll bereits dem Werk sein Gepräge gibt.
-Teresa Pieschacón Raphael

 
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